Aus Kindern werden Schüler

Die festliche Einschulung eines Kindes ist Deutschland in den meisten Familien ein Ritual mit dem ein neuer Lebensabschnitt eingeläutet wird. Den Abschied von der Kindergartenzeit begleiten hierzulande eine Reihe von Traditionen, von denen es einige nirgendwo anders auf der Welt gibt. Dazu gehört das Überreichen der Zuckertüte genauso wie die Feierstunde in der Schule, der Einschulungsgottesdienst und das große Familienfest. Natürlich gibt es auch ein Erinnerungsfoto mit Schultasche und Schultüte dazu.

Unterschiede in Ost und West

Besonders im Osten Deutschlands hat das Fest einen besonders hohen Stellenwert. Da werden oft schon Monate vorher Gästelisten geschrieben, Buffets bestellt und Restaurants gebucht. Die kleinen Erstklässler werden dem Anlass gebührend herausgeputzt. Am Samstagvormittag vor Schulbeginn geht es dann in die Schule, wo die Schulanfänger oft mit einem kleinen Programm und der Übergabe der Schultüten begrüßt werden. Die Kindergärten feiern zu Ehren der Schulanfänger oft Wochen zuvor schon ein Zuckertütenfest.

In den alten Bundesländern findet die Einschulung der Erstklässler oft erst am zweiten Schultag des neuen Schuljahres statt oder am Samstag nach Ende der Sommerferien. Die Schulanfänger werden häufig mit einer Feier in der Aula der Schule begrüßt. In christlich geprägten Gegenden gibt es einen speziellen Einschulungsgottesdienst in der Kirche. Nach der ersten Schulstunde verbringen viele Familien den Nachmittag gemeinsam mit Großeltern oder Paten. Große Feierlichkeiten sind weniger üblich.

Der Zuckertütenbaum

Kaum vorstellbar, eine Einschulung ohne Zuckertüte. Doch woher kommt eigentlich dieser Brauch, den es nur im deutschsprachigen Raum gibt? Von fünf bis 85 Zentimeter Länge, fertig gekauft oder selbstgebastelt, Zuckertüten gibt es inzwischen mit allen erdenklichen Motiven und Farben, ob zur Deko, für die Geschwister oder für das Schulkind. Angeblich reicht der der Brauch bis ins 19. Jahrhundert zurück. In Thüringen und Sachsen wurde den Kindern erzählt, dass im Keller oder auf dem Boden jeder Schule ein Zuckertütenbaum wachsen würde. Die ersten Zuckertüten waren aus einfachem, braunem Papier und mit Süßigkeiten vom Konditor gefüllt. Leisten konnten sich das zunächst nur wohlhabende Bürger. Anfang des 20. Jahrhunderts witterten dann Kaufhäuser das große Geschäft und die Zuckertüte verbreitete sich in ganz Deutschland. Um 1910 wurden Zuckertüten bereits industriell gefertigt, von der Firma Nestler aus dem erzgebirgischen Ehrenfriedersdorf.

Im Osten gibt’s die größten Zuckertüten

Die Schultüten der Schulanfänger im Osten Deutschlands fallen oft pompöser aus, als in den alten Bundesländern. Der Ost/West Unterschied bei der Größe der Zuckertüte beträgt stolze 15 Zentimeter. Und dazu ist die ostdeutsche Schultüte oftmals auch noch sechseckig statt rund.

Schultüte statt Zuckertüte

Angeblich wurde der Begriff „Zuckertüte in den 1960ern aus gesundheitspolitischer Korrektheit. abgelöst. Im Osten ist die „Zuckertüte“ aber immer noch weit verbreitet. Was sind eigentlich I-Dötzchen?

Das aus dem Rheinland kommende Wort I-Dötzchen meint die Erstklässler oder Schulanfänger. Ein Dotz oder Dötzchen ist im rheinischen ein kleines Kind. I steht für den ersten Buchstaben den die Kinder beim Schreiben erlernen. Eine andere gern benutzte Bezeichnung für die Schulanfänger ist „ABC-Schütze“

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Andere Länder, andere Einschulung

USA Besondere Bräuche zur Einschulung gibt es in den USA kaum oder gar nicht. Die meisten Kinder besuchen vor der ersten Klasse im Alter von 5 Jahren bereits den sogenannten „Kindergarten“ wo sie bereits Lesen und Schreiben lernen. Danach schließt sich erste Klasse der „Elementary School“ an. Diese wird einschließlich des Kindergartenjahres 6 Jahre lang besucht. Manche Kinder gehen nie auf eine öffentliche Schule sondern werden von ihren Eltern zu Hause unterrichtet. Zur Vorbereitung jedes Schuljahres gehört der Großeinkauf an Schulmaterial und Schulbekleidung.

Russland Wie in Deutschland ist in Russland die Einschulung ein großes Ereignis. Überall im Land veranstalten die Familien und Schulen Partys für die Schulanfänger. Ähnlich wie hier werden Verwandte und Freunde eingeladen. Die Mädchen tragen große weiße Schleifen in den Haaren und die Jungen Anzüge. Die Klassenlehrerinnen bekommen von den Schulanfängern traditionell Blumensträuße überreicht. Anders als in Deutschland werden in Russland alle Kinder am gleichen Tag, dem 1. September, eingeschult. Im letzen Jahr waren es 1,5 Millionen Kinder.

Grönland Auch in Grönland wird der Schuleintritt der Kinder Anfang August im ganzen Land mit einem Fest begangen. Zu diesem Anlass tragen die Grönländer ihre traditionellen Trachten. Es gibt eine gemeinsame Feier in der Schule. Außerdem werden überall Fähnchen mit der grönländischen Flagge geschwenkt.

Niederlande In den Niederlanden werden die Kinder bereits mit vier Jahren in die sogenannte Basisschool eingeschult. Die Schulpflicht beginnt mit 5 Jahren. Die Schüler werden nicht in Klassen sondern in Gruppen eingeteilt. Ein besonderer Festtag ist die Einschulung hier nicht.

Frankreich Auch unsere französischen Nachbarn verzichten auf großes Tamtam bei der Einschulung ihrer Sprösslinge. Es gibt weder Feiern, noch Schultüten. Dafür gehen die meisten Kinder schon mit 2 ½ Jahren in die „école maternelle“, eine Art Vorschule, die aber mit dem deutschen Kindergarten vergleichbar ist. Mit 6 Jahren gehen die Kinder dann auf die „école élémentaire“, die Grundschule.

Österreich/Schweiz Auch in Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile die Tradition, den Erstklässlern zum Schulanfang eine Schultüte zu schenken. Allerdings ist dieser Brauch hier noch nicht ganz so alt.

Tipps für den Start in die Schulzeit

Der Schulanfang bedeutet für Eltern und Kinder eine große Umstellung. Die RUNDSCHAU verrät wie der Schulstart so stressfrei wie möglich verläuft.

Stärken Sie die Vorfreude ihres Kindes positiv! Eigene Ängste oder negative Gefühle im Bezug auf die Schule sollten Eltern hingegen auf keinen Fall auf das Kind übertragen. Wer seine eigene Schulzeit in negativer Erinnerung hat sollte das lieber für sich behalten.

Üben Sie den Schulweg! Praktische Vorbereitungen ebnen den Weg in die Schule. Eltern können den sichersten - Schulweg suchen, ausprobieren und ihn dann gemeinsam mit dem Kind mehrfach abgehen.

Beziehen Sie ihr Kind in die Vorbereitungen mit ein! Sobald die Schule Buch- und Materiallisten zur Verfügung gestellt hat, geht es ans Einschlagen und Beschriften. Diese Vorbereitungen können die Vorfreude auf die Schule steigern.

Üben Sie den neuen Tagesrhythmus! Damit Kinder konzentriert dem Unterricht folgen können, müssen Sie ausgeschlafen sein und deshalb rechtzeitig ins Bett gehen. Außerdem hat der Schulbeginn oft Auswirkungen auf den Arbeitsbeginn der Eltern. Den neuen Rhythmus kann die ganze Familie in den Tagen vor Schulbeginn „trainieren“

Überfordern Sie Ihr Kind nicht! Immer wieder hört man von Eltern, dass Kinder nah der Schule völlig erschöpft heimkommen. Der Nachmittag muss dementsprechend angepasst werden. Werden die Hausaufgaben nicht in der Schule erledigt, brauchen die Kinder zu Hause einen Ansprechpartner der auch dabei hilft den Schulranzen für den nächsten Tag zu packen.

Bücher-Tipps für Erstleser

Viele Schulanfänger freuen sich besonders auf das Lesenlernen. Bücher für Erstleser sind oft besonders gekennzeichnet. Große Schrift und überschaubare Texte ermutigen kleine Leseratten.

Schulweggeschichten (Christina König)
Verlag: Arena
Weil Papas Auto kaputt ist, müssen Noah und Jo auf einmal zu Fuß zur Schule gehen – doch das macht nichts, finden die beiden. Sie kennen den Weg ganz genau! Ole wohnt auf dem Land und fährt mit dem Bus, da zählt morgens jede Minute. Mia läuft immer durch die Einkaufsstraße, und als dort jemand ihre Hilfe braucht, hat sie eine richtig gute Idee. Jeder Schulweg ist anders – und jeder hält eine ganz besondere Überraschung bereit. Liebevoll erzählte kleine Geschichten wecken die Lust auf das Lesen. Unter jeder Geschichte findet sich eine Frage zum Inhalt des Gelesenen. Am Ende des Buches gibt es die Lösungen dazu. www.arena-verlag.de

Die Schatzkarte in der Schultüte (Gaby Scholz)
Verlag: cbj
Endlich ist es so weit: Moritz und Emma kommen in die erste Klasse! Und schon beim Schul- Schnuppertag für die neuen Schüler sickert eine geheimnisvolle Botschaft durch: An ihrem ersten Schultag sollen die Erstklässler auf Schatzsuche gehen! Niemand weiß, was dahintersteckt, und vor lauter Aufregung halten es Emma und Moritz kaum noch aus. Schließlich ist der große Tag da und tatsächlich: In ihren Schultüten finden die Kinder eine Schatzkarte! Sie zeigt den Lageplan der Schule und den ersten Hinweis zum unbekannten Schatz. Was sich hinter dem wohl verbirgt? www.randomhouse.de/cbj

Milla im magischen Garten (Alice Pantermüller)
Verlag: Arena
Hinter einer unscheinbaren Tür sind sie zu finden: Millas magische Tiere! Sie leben in einem geheimen Garten, wo an den Büschen Erdbeertörtchen und Frikadellen und an den Bäumen Bonbons wachsen. Doch Tom, der mit Milla zur Schule geht, glaubt nicht an Zauberei. Bis Milla alle magischen Tiere auf einmal zu Toms Geburtstagsfeier mitbringt. www.arena-verlag.de

Die schönsten Mädchengeschichten zum Lesenlernen
Verlag: Loewe
Fee Fiorina zaubert für ihre Freunde alle Regentage bunt und Mina, die Elfenprinzessin, möchte den Tieren aus dem Wald mit einem Fest eine Freude bereiten. Auch das kleine Einhorn ist immer für alle da: Egal, ob ein unsichtbarer Dieb umgeht oder ein Prinz vor einem Drachen gerettet werden muss. Zwölf kurze, farbenfroh illustrierte Geschichten über Einhörner, Elfenprinzessin und Feen sind perfekt für kleine Leseanfänger. In den Büchern der ersten Lesestufe wurden alle Hauptwörter durch Bilder ersetzt. Große Schrift und kurze Sätze erleichtern den Einstieg ins Lesen! www.leseloewen.de

Die schönsten Jungsgeschichten zum Lesenlernen
Verlag: Loewe
Was machen Piraten, wenn ihnen auf hoher See eine Schatzkarte davonschwimmt? Und auch Seehund Matti muss sich etwas einfallen lassen: In der Höhle des Eisbergs spukt ein Geist! Fritzi, der kleine Vampir, hat ein ganz anderes Problem. Sein Eckzahn wackelt – aber den brauchen echte Vampire doch unbedingt! Auch für Jungs gibt es die Geschichten für Leseanfanger aus dem Loewe-Verlag. Vampire, Piraten und der Seehund Matti sorgen hier für den Lesespaß! www.leseloewen.de/

Orbi – Ein kleiner Roboter büxt aus Orbi (Thomas Christos)
Verlag: Fischer Schatzinsel
Der kleine Roboter Orbi ist superlustig und orbital clever. Eigentlich wollten ihn seine Erfinder ins All schießen, doch Orbi gelingt die Flucht! Wie gut, dass Orbi Linus und Frederike kennenlernt, denn Orbi braucht dringend Strom – und ein sicheres Versteck. Die Erfinder suchen den klugen Roboter überall, und auch zwei fiese Ganoven haben es auf ihn abgesehen. Ob die drei Freunde ihnen das Handwerk legen können?  Fantasievoll und spannend erzählt und mit den tollen Bildern von Barbara Scholz ein perfekter Begleiter für den Übergang vom Vor- zum Selbstlesen.  www.fischerverlage.de

Der Buchstaben-Zauberer (Paul Maar)
Verlag: Oetinger
Buchstabenzaubereien vom Wortspielmeister: Paul Maar für Erstleser. Der Zauberer Zisch ist ein ganz besonderer Magier: Er verzaubert nämlich Wörter. Aus der Rose wird erst eine Dose und dann eine Hose. Das kann ich auch, denkt sich Leo und leiht sich den Zauberstab von Zisch aus. Doch Buchstabenzaubern ist gar nicht so einfach, und bald läuft alles aus dem Ruder!  Lesen lernen mit "Büchersterne" für die 1. Klasse: sehr große Fibelschrift, einfache Wörter, kurze Sätze und ein hoher Bildanteil für die jüngsten Leseanfänger. Dazu 16 Seiten Leserätsel und Lesespiele im Anhang. www.oetinger.de