
Mehr als elf Millionen Fahrgäste hat Cottbusverkehr im vergangenen Jahr mit Straßenbahn und Bus befördert. Was für eine logistische Herausforderung hinter diesen Zahlen steckt, soll auf dieser Seite beschrieben werden.


Mehr als elf Millionen Fahrgäste hat Cottbusverkehr im vergangenen Jahr mit Straßenbahn und Bus befördert. Was für eine logistische Herausforderung hinter diesen Zahlen steckt, soll auf dieser Seite beschrieben werden.


Heidi Decke erarbeitet in der Fahr- und Dienstplanung die Fahrpläne für Bus und Straßenbahnen. Foto: mih1
Der Arbeitstag eines Bus- oder Straßenbahnfahrers ist minutiös durchgeplant. Inklusive der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen. Eingeteilt werden Frühdienst, Spätdienst, die Nachtschicht und auch eine Rufbereitschaft für den Fall, dass ein Kollege krank wird. Während die Fahrer langfristig wissen, welche Schicht sie haben, werden die Touren selbst eher kurzfristig vergeben. Dabei wird oft auch zwischen verschiedenen Linien gewechselt – nicht selten innerhalb eines Tages.


Matthias Siegmund hat alles im Blick. Mehrere Bildschirme stehen dem Mitarbeiter der Cottbusverkehr-Leitstelle zur Verfügung. Dort sieht er, wo sich Busse und Bahnen gerade befinden. Per Funk kann zu den Fahrern Kontakt aufgenommen werden. Die Bordrechner selbst liefern die Daten der Fahrzeuge an den Zentralrechner im Betriebshof. Falls ein Fahrzeug etwas zu schnell unterwegs ist, gibt es auch schon mal per Funk den Hinweis, etwas langsamer zu fahren, damit der Fahrplan eingehalten wird. Die Fahrer erhalten in der Leitstelle Schlüssel und Unterlagen. Außerdem wird in der Zentrale gesammelt: Schultaschen, Rucksäcke, aber auch Schlüssel und Schirme – in den Fahrzeugen wird einiges liegengelassen. Einmal in der Woche bringen die Kollegen die Ausbeute ins Fundbüro der Stadt. Die Leitstelle von Cottbusverkehr ist unter Telefon 0355/86 62 422 erreichbar



Busfahrer Bernd Weiß hinterm Lenkrad seines Linienbusses. Foto: mih1
Mit der Bahn aus dem Depot, mit dem Bus am Nachmittag wieder zurück. Immer mehr Mitarbeiter des Cottbuser Verkehrsunternehmens können beide Fahrzeuge steuern. „Der Trend geht eindeutig in diese Richtung, für uns bedeutet das eine größere Flexibilität“, sagt Vinzenz Schwarz, Geschäftsbereichsleiter Verkehr/Betriebswirtschaft bei Cottbusverkehr. Bevor die Fahrzeuge auf die Strecke gehen, gibt es eine vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung. Bei der Straßenbahn ganz wichtig ist der Bremssand. Dieser wird bei Bedarf auf die Schienen gestreut, um die Bahn bei einem Bremsvorgang schneller zum Stehen zu bringen. Auch die komplette Fahrzeugbeleuchtung sowie der Inneraum werden vor Fahrtbeginn kontrolliert.


Nach jeder Tour geht es für Bus und Bahn erst einmal in die Werkstatt. Dort werden die Bremsen kontrolliert, defekte Lampen ausgetauscht, kleinere Reparaturen vorgenommen. „Es gibt einen sehr hohen Sicherheitsstandard“, sagt Verkehrsleiter Vinzenz Schwarz. Für die Tatra-Straßenbahnen werden in Cottbus die Getriebe aufgearbeitet – auch für andere Verkehrsunternehmen. „Die Werkstatt ist sehr schlank aufgestellt und hoch spezialisiert“, sagt Schwarz. Vor Kurzem hat Cottbusverkehr in eine Enteisungsanlage für die Oberleitungen investiert. „Sie wird auf einer Straßenbahn installiert und besprüht die Leitungen mit einer Art Frostschutzmittel“, so Geschäftsführer Jörg Reincke. Bei eisigen Temperaturen frieren die Oberleitungen schnell ein. Das ist jetzt kein Problem mehr.


Wo und wie häufig ein Bus oder eine Straßenbahn fahren, bestimmen in erster Linie die Aufgabenträger. Cottbusverkehr ist in diesem Sinne Dienstleister für die Stadt Cottbus und den Landkreis Spree-Neiße. Die Stadt hat laut Unternehmen im vergangenen Jahr eine Million Kilometer Straßenbahnfahrten und 1,6 Millionen Kilometer Busfahrten bestellt.
Für den Landkreis Spree-Neiße standen zwei Millionen Kilometer Regionalbus auf dem Wunschzettel. Die Strecken bedient das Unternehmen mit eigenen Fahrzeugen. Falls diese nicht ausreichen, werden Vertragsunternehmen gebunden. Allerdings geht auch an Cottbusverkehr die schwierige Haushaltslage der Stadt nicht spurlos vorbei. So hat Cottbus wegen des eigenen Haushaltslochs die Zuschüsse an das Verkehrsunternehmen gekürzt.
Cottbusverkehr reagiert mit „Optimierungen“. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben schlanker und seine Leistung mit weniger Mitarbeitern erbringen. Strecken und Taktzeiten wurden verändert. Das ist nicht ganz ungefährlich: Denn Nutzer von Bus und Bahn reagieren sehr sensibel auf Fahrplanänderungen. Das hat Cottbusverkehr bereits zu spüren bekommen, als die Buslinie 13 eingekürzt wurde.
Kaum ein Thema hat in der Stadt Cottbus in den vergangenen Monaten die Leute so sehr bewegt wie die Frage nach der Zukunft der Straßenbahn. Inzwischen gibt es ein politisches Votum pro Tram – doch nach wie vor existieren viele offene Fragen.
Das erste Problem: Der Fuhrpark von Cottbusverkehr wird immer älter. Die Straßenbahnen fahren bereits mehr als 20 Jahre durch die Stadt. Ein paar Jahre halten sie laut Verkehrsexperten noch durch, dann braucht das Unternehmen eine neue Tramflotte. Der Einkaufspreis für 20 neue Fahrzeuge beträgt aktuell rund 50 Millionen Euro. Für diese Anschaffung hat das Land bisher keine Hilfe in Aussicht gestellt. Deshalb wollen sich mehrere Städte gemeinsam mit ihren Straßenbahnunternehmen für eine Förderung einsetzen.
Die Diskussion zu diesem Thema ist erst am Anfang, sagt Geschäftsführer Jörg Reincke. „Wir haben mit unserem entwickelten Systemen die Antwort auf Feinstaubreduktion und den demographischen Wandel in den Städten gegeben.“ Ein teilweiser Ersatz der Flotte in diesem Jahrzehnt ist geplant. Der Rest wird liebevoll restauriert. „Freuen Sie sich auf schicke „,Langläufer´“, so Jörg Reincke.
Das zweite Problem: Laut einer Studie macht die Erweiterung des städtischen Straßenbahn-Streckennetzes aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn. Danach empfehlen die Experten eines Verkehrsplanungsbüros den Ausbau des Tram-Netzes in der Spremberger Vorstadt im Bereich des Carl-Thiem-Klinikums. Sinnvoll sei auch, den Lausitz- Park per Straßenbahn zu erschließen. Allerdings ist eine Erweiterung nur möglich, wenn sich das Land mit einer Förderung von mindestens 70 Prozent beteiligt. Ohne diese Hilfe würde sich keine der untersuchten Varianten rechnen, so die Experten.
Cottbusverkehr betreute im Jahr 2010 insgesamt 47 Linien, darunter vier Straßenbahnlinien. Das Liniennetz war 939 Kilometer lang. Es gab 569 Haltestellen.
Die Fahrzeuge absolvierten gut fünf Millionen Kilometer. Sie beförderten dabei 11,2 Millionen Fahrgäste. 7,4 Millionen davon entfielen auf die Bahn, 3,8 Millionen auf den Bus.
Ende 2010 arbeiteten bei Cottbusverkehr 219 Beschäftigte. 118 von ihnen waren im Fahrdienst eingeteilt.
Das Unternehmen verfügt über 21 Straßenbahnen vom Typ KTNF6. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge betrug 24,4 Jahre. Hinzu kommen 54 Niederflur-Gelenkbusse und -Solobusse der Hersteller MAN und MB. Ihr Durchschnittsalter beträgt 8,2 Jahre.
Die ersten Probefahrten der Straßenbahn in Cottbus starteten übrigens am 22. Juni 1903. Nur wenige Tage später warnte der Cottbuser Anzeiger: „Immerhin ist zu beachten, daß in der ersten Zeit des Betriebes, solange die Pferde unserer Stadt sich nicht an das ihnen unheimlich erscheinende Gefährt gewöhnt haben, erhöhte Aufmerksamkeit des Wagenführers sehr vonnöten ist.“ Die ersten Monate gingen dann auch nicht ohne Zwischenfälle vorüber.