Hoyerswerda:
Eine Stadt schrumpft

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Er steht als Symbol dafür, dass Stadtumbau nicht nur Abriss sein muss: der Lausitz-Tower im Herzen der Hoyerswerdaer Neustadt. Das Haus in der Stadtpromenade 11 ist das letzte verbliebene einer Hochhauszeile, die bis 2004 zurückgebaut wurde. Er steht in einer Stadt der Oberlausitz, die in den vergangenen Jahren Auf- und Rückbau erlebt hat. Eine Stadt, die weiter schrumpft und sich immer mehr zu einer Kleinstadt entwickelt.

Von knapp 10 000 Einwohnern im Jahr 1956 erreichte Hoyerswerda ihren historischen Höchststand im Jahr 1981 mit mehr als 70 000 Einwohnern. Im Jahr 1955 wurde der Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe beschlossen. Die Arbeiter des Werkes sollten konzentriert in einer neu errichteten Stadt angesiedelt werden. Hoyerswerda wurde dabei als optimaler Standort auserwählt. Eine Entscheidung, die nachhaltig Auswirkungen auf das Stadtleben mit sich brachte.

Jenseits der Schwarzen Elster wurde 1957 mit dem Aufbau einer neuen Stadt begonnen. Zehn Wohnkomplexe (WK) und das Stadtzentrum entstanden bis Ende der 80er-Jahre. Mit der Umstellung auf moderne und alternative Energieträger kam es nach der Wende jedoch zu einem rapiden Rückgang der Braunkohle-Nachfrage. Mehrere tausende Arbeitsplätze fielen weg. Trotz großflächiger Eingemeindung lebt heute nur noch knapp die Hälfte der damaligen Einwohner in der Stadt im Landkreis Bautzen. Prognose: 2020 sollen es 30 300, im Jahr 2025 rund 27 300 Hoyerswerdaer sein. Damit schrumpft die Stadt zwar beständig, aber langsamer.

Wie leben die Einwohner von Hoyerswerda in einer Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten solch einen extremen Wandel erlebt hat wie kaum eine zweite bundesweit? Antworten darauf geben drei Bewohner des Lausitz-Towers und ein wesentlicher Mitgestalter der Stadt. Während für einige der einsetzende Rückbau in den vergangenen Jahren sehr schmerzlich war und jene sich nach der pulsierenden Großstadt sehnen, erkennen andere in ihm eine Chance für die Zukunft.

Der Lausitz-Tower

1980

  • Nutzungsbeginn des Hauses Stadtpromenade 11: Januar 1980 mit 38 Wohnungen und 6 Gewerbeeinheiten
  • Das Haus Stadtpromenade 11 ist das letzte verbliebene Haus einer Hochhauszeile, welche in den Jahren 2002 bis 2004 zurückgebaut wurde (384 Wohnungen und 38 Gewerbeeinheiten).

2003

  • Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs im Jahr 2003: Den Zuschlag für die Umgestaltung des Hauses erhielt der Münchener Architekt Muck Petzet.

2005

  • Erster Spatenstich/Umbaubeginn am 16.09.2005: komplette Neugestaltung der inneren Erschließung, Treppenhaus und Wohnungszugänge.
  • Durch Grundrissänderungen entstanden nach Umbau 40 Zwei- und Dreiraumwohnungen und 5 Gewerbeeinheiten.
  • Alle Wohnungen sind schwellenfrei über ein neues Treppenhaus mit Lift erreichbar.
  • Bauzeit: September 2005 bis Januar 2007

2007

  • Die Pflanzenfassade des Gebäudes (Begrünung mit unterschiedlichen Kletterpflanzen über eine Rankseilkonstruktion) nimmt als vertikaler Park Bezüge zum umliegenden Baumbestand auf.
  • Durch den Aufbau einer Dachterrasse mit Aussichtsplattform überragt dieses Haus mit einer Höhe von 38 Metern sämtliche Gebäude in Hoyerswerda und ist somit das höchste Wohnhaus der Stadt.
  • Dem großflächigen Abbruch wurde mit dem Umbau der Stadtpromenade 11 ein Aufbauzeichen entgegengesetzt.
  • Das Projekt wurde im Jahr 2007 mit dem deutschen Bauherrenpreis Modernisierung ausgezeichnet.

Drei Wochen lang rückte eine Stadt im Sommer 2012 symbolisch zusammen – und das in einem Haus im Abrissgebiet. Mit dem Projekt "AusZeit – Nachdenken über Hoyerswerda" hat sich die Kulturfabrik Hoyerswerda gemeinsam mit Bürgern im WK X Gedanken über die Zukunft der Stadt gemacht.

18 Wohneinheiten wurden kostenfrei an Vereine und Bürger vermietet. Die sechste Etage wurde zu einem Hostel umgestaltet, damit Auszeit-Gäste dort über Nacht bleiben konnten. Insgesamt haben mehr als 4000 Menschen den Auszeit-Block besucht. Während der drei Wochen haben zudem mehr als 200 Veranstaltungen stattgefunden. Gefördert worden ist das Projekt unter anderem auch von der Kulturstiftung Sachsen.

Kapitel 1

Horst-Dieter Brähmig

Der langjährige Stadtvater

Horst-Dieter Brähmig ist Zeitzeuge und zugleich Mitgestalter von Hoyerswerda. Von 1994 bis 2006 war der heute 75-Jährige der Oberbürgermeister der Stadt.

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Bevölkerungsentwicklung in Hoyerswerda

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Natürliche Bevölkerungsbewegung 2005 - 2012

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Wohnungsbestand nach dem Eigentümer 2000 bis 2009

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Der Hoyerswerdaer Horst-Dieter Brähmig (75) zeigt mit Stolz sein Refugium. Der große Garten hinter seinem Haus war bereits zu seiner Amtszeit und ist auch heute noch seine Entspannungsoase. Denn sein Terminkalender ist immer noch gut gefüllt. In etwa zehn Vereinen bringt sich Brähmig ein. Im vergangenen Jahr wurde er sogar für sein Engagement zur Umsetzung des Konrad-Zuse-Forums mit der Günter-Peters-Ehrennadel, die er selbst mit ins Leben gerufen hatte, ausgezeichnet.

"Ich gebe heute manches zurück, was mir damals Gutes widerfahren ist."

Horst-Dieter Brähmig ist in Hoyerswerda geboren und will hier definitiv nicht mehr weg: "Ich habe eine starke emotionale Bindung zu der Stadt", erklärt der 75-Jährige. Heimat sei etwas, das niemand vergessen könne. Er ist einer der Zeitzeugen, die erzählen können, wie sich Hoyerswerda von einer 7000- zu einer 70 000-Einwohner-Stadt entwickelt hat. Aber er kennt auch die Abbrüche nach der Wende, Wegzüge und die ausländerfeindlichen Übergriffe im Jahr 1991. In seiner Amtszeit habe er stets versucht, gegen das Negativ-Image von Hoyerswerda zu kämpfen. "Damit darf man nie aufhören", sagt der 75-Jährige und ergänzt: "Man muss mit den nächsten Generationen, die heranwachsen, darüber sprechen."

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Trotz Ruhestand kehrt bei dem 75-Jährigen bisher noch keine Ruhe ein: "Ich gebe heute manches zurück, was mir damals Gutes widerfahren ist", erklärt der Hoyerswerdaer. Man könne so nicht in die Isolation und Einsamkeit verfallen und bleibe durch das Ehrenamt aktiv im Leben. Neben seinem Wirken im Stadtverband Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist Horst-Dieter Brähmig im LHV Hoyerswerda und vor allem im Konrad-Zuse-Forum aktiv. "Durch Letzteres bin ich reich beschert wurden", erzählt der frühere Oberbürgermeister, der vor allem die Gespräche mit Computererfinder Konrad Zuse in seiner Amtszeit sehr schätzte. Konrad Zuse wurde 1995 kurz vor seinem Tod zum Ehrenbürger der Stadt Hoyerswerda ernannt. In der Stadt lebte er mehrere Jahre als Sohn einer Beamtenfamilie und besuchte das Real-Reform-Gymnasium. Danach studierte er Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule in Berlin.

Kapitel 2

Ulmar Lehmann

Der Optimist

Zufrieden schweift der Blick von Ulmar Lehmann über die Stadt Hoyerswerda. Obwohl der Ausblick einmalig ist, nutzt der 75-Jährige die Dachterrasse des Lausitz-Towers nur selten. Ulmar Lehmann hat den Wandel in Hoyerswerda unmittelbar an Beschlüssen kennengelernt.

Etwa zehn Jahre saß er im Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft. Auch persönlich hat ihn der Abriss betroffen. Seine Wohnung im WK V gab er auf und zog 2007 in den Lausitz-Tower. "Mit dem Rückbau mussten wir uns anfreunden", sagt der Hoyerswerdaer.

Heute hat der Rentner alles Wichtige direkt vor der Haustür. An manchen Tagen vergesse er sogar fast, seine Hausschuhe auszuziehen, bevor er einkaufen geht. "Wir waren damals mit der Wohnungsgesellschaft und den Lebensräumen, einer der Pioniere insgesamt im Osten. Wir haben uns sehr zeitig dazu entschlossen, dass wir bei dem Weggang der Leute den Wohnraum nicht erhalten können.", sagt Lehmann. Der Rückbau und die Neugestaltung seien sehr gut gelungen. Auch seine Frau Christa Lehmann sagt: "Man hat sich hier große Mühe gegeben. Man hatte nie das Gefühl abgeschrieben zu sein."

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Anfänglich ist Ulmar Lehmann von Finsterwalde nach Hoyerswerda gependelt. Er arbeitete in der Konsumbuchungsstation. 1970 zog er schließlich in die Zuse-Stadt, die er jedoch später hauptsächlich als Nachtgast kennenlernte. Bis 1982 sei der Ökonom täglich nach Senftenberg gefahren, dann arbeitete er als Bankdirektor in Hoyerswerda. "Als ich 1995 in Frührente gegangen bin, hatte ich erst unmittelbaren Kontakt mit der Stadt und habe alles bewusster erlebt", sagt Lehmann.

Kapitel 3

Eva Reuß

Die Zugezogene

Eva Reuß ist vom Fuße des Erzgebirges vor über 50 Jahren nach Hoyerswerda gezogen. Die gelernte Modistin arbeitete als Verkäuferin im Centrum- Warenhaus. Trotz der Liebe zum Meer blieb sie in der Zuse-Stadt.

Vorsichtig öffnet Eva Reuß die Tür und lächelt. Die 80-Jährige ist nicht mehr so gut zu Fuß. Langsam bewegt sie sich deshalb in ihrer Wohnung im Lausitz-Tower fort. Vor allem der Fahrstuhl im Haus erleichtere ihr den Alltag sehr. Vor über 50 Jahren ist die gebürtige Zwickauerin nach Hoyerswerda gezogen. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Ihr Mann hat zu der Zeit bereits als Vermessungsingenieur in der Region gearbeitet. Er war an den Ausarbeitungen von Studien für den Aufbau des Kombinats „Schwarze Pumpe“ beteiligt. Schnell habe sich Eva Reuß in Hoyerswerda eingelebt. Das Ehepaar zog in ein neuerbautes Haus mit Kohleheizung in der Hoyerswerdaer Altstadt.

„Hier ist meine Heimat und da hängt einfach mein Herz dran.“

In den folgenden Jahren schossen für die Arbeiter des Kombinats Schwarze Pumpe Plattenbauten aus dem Boden. Man begann mit dem Aufbau einer völlig neuen Stadt jenseits der Schwarzen Elster. Die Neustadt entstand. Hoyerswerda sei damals wegen der vielen jungen Leute sehr lebendig gewesen, wie Eva Reuß sagt. Jedoch hätte es nicht all zu viele Vergnügungsangebote gegeben. Oftmals sei man deshalb in die Gaststätte „Kastanienhof“ zum Tanzen gegangen. Jahrzehnte später als der Rückbau einsetzte, habe man sich nicht viele Gedanken oder Sorgen deshalb gemacht. „Wir haben es als ältere Menschen so hingenommen“, sagt Reuß.

Zuzüge und Wegzüge 2000 bis 2011

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Jahre zuvor hatte das Ehepaar Reuß die Überlegung, Hoyerswerda zu verlassen. „ Mein Mann hat das Meer geliebt. Er wäre sehr gern nach Rostock gezogen“, erklärt die 80-Jährige weiter. Doch ihre Söhne wollte sie damals nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen. Außerdem habe man in der Region immer Arbeit gehabt. Die gelernte Hutmacherin arbeitete als Verkäuferin im Centrum-Warenhaus. Regelmäßig trifft sich Eva Reuß noch mit ihrer ehemaligen Kollegin Christa Lehmann, die ebenfalls im Lausitz-Tower wohnt. Sobald die beiden älteren Damen aufeinandertreffen, geraten sie ins Schwärmen. “Wie hieß der eine noch, Eva?“, fragt Christa Lehmann. Nach einigen Minuten kommen die beiden Hoyerswerdaerinnen auf mehrere Namen. Nina Hagen, Frank Schöbel oder der deutsche Schlagersänger Michael Hansen: Viele Prominente hätten bei ihnen eingekauft.

Die damalige Alternative zum Meer hieß bei Familie Reuß Knappensee. Während die Hoyerswerdaerin Bilder von einer Regatta heraussucht, beginnen ihre Augen zu strahlen. „Schöne Wochenende habe wir dort in unserem kleinen Häuschen verbracht. Für unsere Kinder sind diese Momente unvergesslich“, sagt sie. Mit ihrem eigenen Boot sei die vierköpfige Familie dort gesegelt, auch an Wettbewerben habe man teilgenommen. Einer ihrer zwei Söhne, der heute in Großräschen wohnt, hat das Haus übernommen.


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Eva Reuß ist vom Fuße des Erzgebirges vor über 50 Jahren nach Hoyerswerda gezogen. Seit neun Jahren wohnt die 80-Jährige im Lausitz-Tower in Hoyerswerda.

Eva Reuß erlernte den Beruf der Modistin. Sie fertigte Kopfbedeckungen insbesondere für Damen an.

Dies ist einer ihrer ersten Hüte, die sie in ihrer Ausbildung angefertigt hat.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Christa Lehmann arbeitete Eva Reuß viele Jahre im Centrum-Warenhaus in Hoyerswerda.

Besonders gern liest sie die Werke des Schriftstellers Herrmann Löns.

Ihre Liebe zum Meer zeigt sich auch an den kleinen Souvenirs im Flur ihrer Wohnung.

Die Alternative zum Meer war für Familie Reuß der Knappensee.

Von jeder Reise brachte sich Eva Reuß einen Löffel mit nach Hoyerswerda. Die Souvenirs erinnern unter anderem an Urlaube in Wien oder Dänemark.

Mit ihrem eigenen Boot sei die vierköpfige Familie oft gesegelt.

Die Stadt Hoyerswerda ist für Eva Reuß mittlerweile zur Heimat geworden.

Vor wenigen Wochen besuchte Eva Reuß ihren zweiten Sohn in Wilhelmshaven. Da ihr Mann Anfang des Jahres verstorben ist, lebt sie in Hoyerswerda allein. Obwohl sie das Meer liebt, sei sie gern nach ihrer dreiwöchigen Reise zurückgekommen. „Hier ist meine Heimat und da hängt einfach mein Herz dran“, sagt die 80-Jährige.

Kapitel 4

Karin & Hagen Schelk

Die Camper

Fast genau 35 Jahre nach dem Einzug der ersten Mieter ist das Y-Hochhaus in der Erich-Weinert-Straße in Hoyerswerda 2011 dem Abrissbagger zum Opfer gefallen. Für Karin Schelk war dies ein schmerzlicher Moment. 30 Jahre lang war sie Mieterin einer Wohnung. „Ich wollte dort nicht raus“, sagt die 57-Jährige.

Bis zuletzt hat sie – wie zahlreiche andere Mieter auch – um den Bestand gekämpft und ihr Unverständnis über die Abrisspläne des Y-Hochhauses geäußert. Bis sie sich gänzlich an die neue Wohnung im Lausitz-Tower gewöhnt hatte, dauerte es einige Zeit. „Am Anfang habe ich mich hier nicht sehr wohl gefühlt, da die Wohnung auch so dunkel war“, sagt die Röntgenassistentin, die eigentlich das Leben in der Platte liebt. Der fantastische Ausblick bei dieser Art zu wohnen sei einmalig. Deshalb wäre für Karin Schelk auch nie eine Erdgeschoss-Wohnung in Frage gekommen. Nur ein Vorgarten fehlt: Deshalb nutzt die Hoyerswerdaerin gemeinsam mit ihrem Mann Hagen jede freie Minute am Wochenende, um zum Campingplatz an den Silbersee zu fahren. Nachdem ihr Wohnwagen fast 15 Jahre lang am Knappensee stand, mussten sie im April wegen der Sperrung den Standort wechseln.

Altersdurchschnitt in Hoyerswerda

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„Früher war viel mehr Leben auf den Straßen.“

Einen eigenen kleinen Rückzugsraum hat sich Hagen Schelk außerdem im Keller des Lausitz-Towers eingerichtet. Dort kann er abschalten, wie er sagt, und stemmt bei Radioklängen Gewichte. Einige Überbleibsel seiner mehr als 100 Stück umfassenden Krugsammlung sind dort noch zu sehen. „Als wir umgezogen sind, haben wir viel ausrangiert“, erklärt der gebürtige Hohenbockaer.

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Das Y-Hochhaus in der Erich-Weinert-Straße in Hoyerswerda fiel 2011 dem Abrissbagger zum Opfer.

Nach seiner ersten Ehe kam der gelernte Schlosser der Liebe wegen 1990 in die damals sehr lebendige Zuse-Stadt. Als Müllfahrer sei er zu dieser Zeit kaum an die jeweiligen Container herangekommen, da unzählige Autos die Wege zugeparkt hatten. Heute ist das anders: In den frühen Morgenstunden fürchte er sich mittlerweile manchmal auf den Straßen. Keine Fußgänger oder Autos seien dann unterwegs. „Früher war viel mehr Leben auf den Straßen“, findet der 51-Jährige. Heute sei Hoyerswerda für ihn hauptsächlich eine „Rentner-Stadt“.

Manchmal wünsche er sich die vergangenen Zeiten zurück. Hagen Schelk erinnert sich noch genau daran, als er von Hohenbocka mit dem Bus für 80 Pfennig nach Hoyerswerda fuhr. Was heute Berlin für Cottbus sei, war damals für ihn die „Großstadt“ Hoyerswerda. Dass das Leben wieder mehr pulsiert, man abends ein Glas Wein in einer gefüllten Gaststätte trinken oder einfach ausgiebig flanieren kann: Das würde sich das Ehepaar Schelk für die Stadt wünschen. Ein Wegzug aus Hoyerswerda käme für die beiden derzeit nicht in Frage. „Solange wie wir hier Arbeit haben, ziehen wir hier auch nicht weg“, sagt Hagen Schelk. Zudem wollen sie für die Eltern von Karin Schelk da sein. Bisher funktioniert das im Alltag ganz gut, schließlich wohnen diese in der darüber liegenden Etage.